die Bedeutung von Bedeutung

November 29, 2007

Ich sitze gerade an der Semantik. Nicht zum ersten Mal naturgemäss (ohje, jetzt fang ich auch schon so Thomas Bernardisch an) und der Grund spielt auch keine Rolle. Aber da stolper ich doch über einen Satz, der macht mich ganz konfus. (Zunächst Schnellbleiche was Semantik ist: die Wissenschaft von der Bedeutung von Zeichen sprachlicher Natur.) Nun les ich da also das hübsche Beispiel „der Abendstern und der Morgendstern bedeuten das Gleiche“. Was gemeint ist, ist klar, beide Begriffe beziehen sich auf „das gleiche“ aussersprachliche Referenzobjekt. (Obwohl „Morgenstern“ „Stern am Morgen“ bedeutet, „Abendstern“ hingegen „Stern am Abend“. Und somit wären wir bei einem der Grundprobleme der Semantik. Weiter im Text.) Aber wieso schreibt dieser Philosoph der Logik „das Gleiche“? Meint er hier nicht dasselbe (das Selbe? – diese neue Rechtschreibung macht mich auch konfus.)? Denn eigentlich „gleicht“ der Morgenstern nicht dem Abendstern, er ist identisch. Bitte um Hilfe. (Auch in der Angelegenheit „dasselbe/das Selbe/das selbe“.)

Ein Beispiel kann mein Problem verdeutlichen, wem die Thematik fremd ist: „Max trägt das gleiche T-Shirt wie Moritz“ bedeutet, dass jeder sein eigenes trägt, es handelt sich jedoch um das gleiche Produkt. Max kann allerdings nur schwerlich dasselbe T-Shirt tragen wie Moritz, das würde nämlich bedeuten, dass die beiden in ein und demselben T-Shirt stecken.

9 Antworten zu “die Bedeutung von Bedeutung”


  1. hmmm… christian abendstern ist definitiv nicht das selbe wie christian morgenstern

  2. anninamat Sagt:

    sie pudel, das find ich jetzt schon einbisschen entäuschend. dabei hielt ich gerade sie für eine das gleiche/das selbe-expertin. gebens zu, sie mögen nur nicht so gut denken kaffeelos, und dass du das da grade warst, weiss ich aus zuverlässiger quell.

    christian morgenstern ist aber trotzdem super. bringt mich zu was anderem. liste der schönsten morgensterne.

  3. Stefan Kleie Sagt:

    wikipedia – wieder mal unübertroffen…

    Im Bereich der Sprachphilosophie unterscheidet Frege zwischen einem Sinn und einer Bedeutung, die jedem sprachlichen Zeichen zukommen. Freges Terminologie ist etwas irreführend, denn mit Bedeutung meint er den Bezug bzw. die Referenz eines Ausdrucks, während sein Sinn dem nahe kommt, was für gewöhnlich als Bedeutung bezeichnet wird. Frege kennt grundsätzlich drei verschiedene Arten von sprachlichen Ausdrücken: Eigennamen, Sätze, und Begriffsausdrücke. Für jeden dieser Typen kann zwischen Sinn und Bedeutung unterschieden werden:

    * Eigennamen: Eigennamen sind für Frege Ausdrücke, die auf einen Gegenstand Bezug nehmen. Ein Eigenname kann einfach sein wie „die Venus“ oder komplex wie „der erste Mann auf dem Mond“. Die Bedeutung eines Eigennamens ist der Gegenstand, den er bezeichnet. Der Sinn eines Eigennamens liegt in der „Art seines Gegebenseins“, wie Frege sich ausdrückt. Die beiden Ausdrücke „3 + 5“ und „10 – 2“ bezeichnen beide die Zahl 8, sie haben also nach Frege dieselbe Bedeutung. Sie haben aber unterschiedlichen Sinn, da die Zahl 8 durch sie jeweils in unterschiedlicher Form gegeben ist (einmal als Ergebnis einer Addition, einmal als Ergebnis einer Subtraktion).
    * Sätze: Der Sinn eines Satzes ist nach Frege der durch ihn ausgedrückte „Gedanke“. Dieser Gedanke ist als objektiver Inhalt zu verstehen, Frege wehrt sich ausdrücklich dagegen, den Gedanken mit einer bloßen „Vorstellung“ gleichzusetzen. Nach Frege erfassen alle, die einen Satz verstehen, denselben Gedanken, nichtsdestoweniger können sie doch unterschiedliche Vorstellungen haben.
    Bei der Bestimmung der Bedeutung von Sätzen macht Frege Gebrauch vom später so genannten Frege-Prinzip, welches besagt, dass sich die Bedeutung eines Satzes nicht ändert, wenn einer seiner Bestandteile durch einen Ausdruck mit gleicher Bedeutung ersetzt wird.[1] Ersetzen wir in dem wahren Satz „Neil Armstrong war Amerikaner“ den Eigennamen „Neil Armstrong“ durch den bedeutungsgleichen „der erste Mann auf dem Mond“, so erhalten wir „Der erste Mann auf dem Mond war Amerikaner“, einen ebenfalls wahren Satz. Da sich Wahrheit bzw. Falschheit von Sätzen bei Ersetzung von Ausdrücken durch bedeutungsgleiche im Normalfall (vgl. unten) nicht ändern, bestimmt Frege zunächst als Bedeutung von Sätzen die so genannten „Wahrheitswerte“, das Wahre und das Falsche. Nach Frege haben also alle wahren Sätze dieselbe Bedeutung, ebenso alle falschen. (Diese zunächst recht kontraintuitive These, dass es nur zwei mögliche Bedeutungen von Sätzen gibt, wird heute häufig im Rückgriff auf das sogenannte Slingshot-Argument (Steinschleuderargument) begründet.)
    Wie bereits angedeutet, gilt die Erhaltung des Wahrheitswertes bei Ersetzung bedeutungsgleicher Ausdrücke nur im Normalfall. Die Sätze „Frank glaubt, dass Neil Armstrong Amerikaner ist“ und „Frank glaubt, dass der erste Mann auf dem Mond Amerikaner ist“ haben jedoch nicht notwendigerweise denselben Wahrheitswert (insbesondere dann nicht, wenn Frank nicht weiß, dass Neil Armstong der erste Mann auf dem Mond ist), obwohl auch hier ein Ausdruck durch einen bedeutungsgleichen ersetzt wurde. Frege sagt daher, dass Nebensätze, die von Verben wie „glauben“ abhängen, in „ungerader Rede“ stehen. Sätze haben als Bedeutungen nur dann Wahrheitswerte, wenn sie in gerader Rede stehen. In der ungeraden Rede ist die Bedeutung eines Satzes nach Frege der durch ihn ausgedrückte Gedanke. Die Bedeutung eines Satzes in der ungeraden Rede ist demnach dasselbe wie sein Sinn in der geraden.
    * Begriffsausdrücke. Ein Begriffsausdruck entsteht dadurch, dass in einem Satz ein Eigenname weggelassen wird. Dadurch, dass man in dem Satz „Berlin ist eine Hauptstadt“ den Eigennamen „Berlin“ weglässt, entsteht der Begriffsausdruck „( ) ist eine Hauptstadt“. Solche Ausdrücke nennt Frege auch „ungesättigt“, womit er sagen will, dass sie einer Komplettierung durch einen Eigennamen bedürfen. Die Bedeutung eines Begriffsausdrucks ist ein Begriff. Für Frege ist dies eine Funktion, deren Werte Wahrheitswerte sind. Wird also die Funktion „( ) ist eine Hauptstadt“ beispielsweise auf Paris angewendet, so liefert sie den Wahrheitswert das Wahre (weil „Paris ist eine Hauptstadt“ wahr ist), bei Frankfurt liefert sie das Falsche (weil „Frankfurt ist eine Hauptstadt“ falsch ist). Über den Sinn eines Begriffsausdrucks findet sich bei Frege nicht viel, man kann aber vermuten, dass er darunter etwas wie die Definition des entsprechenden Begriffs versteht.


  4. @ anninamat: ja woher wollens denn das so genau wissen, dass ich da kaffeelos war. ach ja genau, weil wir uns ja erst 20 minuten später auf nen kaffee getroffen haben. mein beitrag war natürlich auf einer humoristischen, kreativen ebene gedacht. den linguistischen jargon halte ich mir für die lizprüfung vor.

    @ stefan kleie: schon noch gut, dass jemand copy paste erfunden hat ;-)

  5. anninamats lenny Sagt:

    @ stefan kleie: die frage war ja nicht WIRKLICH nach der bedeutung von bedeutung, sondern nach der bedeutung von das-selbe-bedeuten vs. das-gleiche-bedeuten, ne? was würde denn frege dazu sagen.

    ist für frege wirklich „der erste mann auf dem mond“ ein eigenname???

    @ des pudels kern: bin auch vollkommen verloren ohne kaffee :-)


  6. bald können wir wieder unendliche kaffeepläuschchen abhalten. aber sowas von unendlich. also eigentlich genau in einer woche. krass. jetzt nur keine panik bekommen!

  7. anninamat Sagt:

    nene, das lass mal sein mit der panik. ABER NOCH VIEL WICHTIGER: schneeeeeee juhee! wie krass ich mich freuen tu! so sehr, dass ich überhaupt krass schreibe. kommt selten genug vor. sonst weniger in meiner wörterkiste.

  8. anninamat Sagt:

    @ anninamats lenny: dein nachtrag zu selbst etc. beeindruckt mich schwer. da kann ich gar nicht mehr zu sagen. :-)


  9. lieber anninamat. sehnsüchtig warte ich auf updates von herzigen kleinen kindern, die süsse kleine geschichten erzählen oder berichte von herzallerliebsten kaffeeklatschs in basel, berlin, weimar oder wo auch immer. der liebe blog hat entzugserscheinungen. mit den wünschen, dass es der autorin gut gehen mag.


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